Chips aus dem Wald

Chips vom Acker, kein Problem. Die Firma mit dem grossen „Z“ aus der Schweiz, machen es mit den drei orange-gekleideten Männer vor.

Aber Chips aus dem Wald. So einfach wie in der Werbung ist dies nicht. Zugegeben, ganz im Wald findet man die Chips nicht. Auch nicht wenn man sich goldfarben anzieht. Tipp, Sie verstecken sich meist am Waldrand. Zur Tarnung wachsen sie unter welkem Gras. Dessen gelbe Farbe übernehmen sie so exakt, dass des Suchers Auge schon genau hinsehen muss um die Köstlichkeit auszumachen.

Merkt man sich frühere Fundstellen, wird es einfacher und der Sammelkorb füllt sich im nu bis zum Rand. Nur ist der Inhalt in dem Moment noch keine richtiger Chipshaufen. Dazu bedarf es einer Trockenanlage in Form eines Dörr-Ex. Auf dessen Sieben werden die Pfifferlinge mit dem goldenen Stiel ausgebreitet und getrocknet.

Goldstielige getrocknet, abgefüllt im Glas
Goldstielige getrocknet, abgefüllt im Glas

Ist der Trockenprozess beendet, steht dem Genuss der so entstandenen Chips nichts im Wege und zum Apéro überrascht man seine Gäste damit garantiert.

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gerettet und doch verloren

Die ganze Woche schon und Müller kann es nicht mehr hören, attackiert ihn die liebste Müllerin, mir der simplen Frage ob es in diesem oder jenen Waldgebiet eventuell schon von den Kappenmännchen stehen hat. Müller antwortet jedes Mal mit gleichen Worten: „Könnte schon, aber angesichts der Trockenheit.“

Heute Sonntag lüpfst dem Müller den sprichwörtlichen Deckel. Zieht sich nach dem Frühstück die Pilze-Such-Uniform an und meldet seiner lieben Mitbewohnerin Bereitschaft zum ausschwärmen. Aus Geheimhaltungsgründen, bei den Pilzesammlern ist es wie bei der Armee, kann hier die Koordinate des von den Müllers angepeilten Wäldchens nicht bekannt gemacht werden. Ein Bild muss genügen.

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Die erste Viertelstunde angestrengter Sucherei ist fast vorbei, kommt die Müllerin mit ausgestreckter Hand auf Müller zu. „Ich wusste es, sie sind wieder da!“ Müller verdreht die Augen. Er weiss nur zu gut,  hiermit ist die Jagd auf die Kappenmännchen gestartet. „Ein Pilz ist noch Keiner,“ murrt er vor sich hin, nimmt seinen Rucksack vom Rücken, zieht aus dessen Innern einer der weissen Stoffsäcke und reicht ihn seiner Begleitung.

Weiter geht der Streifzug. Kein Männchen, schon gar nicht mit Kappe zu sehen. Müller triumphiert in seinem Innern. „Ich wusste es, zu trocken.“ Seine Begleitung bläst nach einer halben Stunde mit den enttäuscht klingenden Worten in der Stimme: „Da gibt es wirklich Keine!“ zum Rückzug. Über meterhohe Brombeerstauden und Farne steigen Müllers auf die höher gelegene Strasse. Aus dem Dickicht getreten, wuchtet Müller das Bein mit dem Schuhe, in dessen Innere sich ein Stein verirrt hat in die Strassenböschung, beginnt den Knoten im Schuhbändel auseinander zu fädeln und traut erst seinen Augen nicht. Soll er den Rückzug abblasen, einfach weiterlaufen. Geht nicht, die Müllerin mit den Augen einer erfahrenen Kappenmännchenjägerin kann Die, welche in Reichweite vor Müller stehen, nicht übersehen. Kleinlaut meldet sich Müller: „Nimmst du sie?“ „Selbstverständlich gerne!“, tönt es zurück. Das Klicken des Messers welches die Müllerin, über ihr ganzes Gesicht strahlend öffnet, ist weithin hörbar. Ab jetzt füllt sich Ein weisser Sack nach dem Andern und verschwindet in Müllers Rucksack.

Zuhause bietet sich diese Bild, einen Tisch voll herum liegender Pilze:

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Müller muss beim Nachtessen kleinlaut zugeben: „Es gibt sie auch diese Jahr , die Kappenmännchen. Und wir haben sie vor dem kommenden Regen gerettet. Dafür müssen sie nun auf den fünf Dörr-Ex Gittern schwitzen, sind gerettet und doch verloren.“ „Und erfreuen unsere, aber auch andere Gaumen in den kommenden Monaten“, erwidert die Müllerin. Da bleibt der Müller stumm, wenn Sie recht hat hat sie recht.