MASSA MARITTIMA

Nach dem so positiv verlaufenen Behördengang in POMARANCE fuhren Müllers weiter in den Süden. Nicht sehr weit, aber durch eine wunderschöne Landschaft. Wer die Hügel und kurvige Strassen liebt ist auf der Strada SR439 genau richtig. Er muss aber auch Löcher im Strassenbelag mögen. Schnell vorwärts kommen liegt auf dieser Strecke nicht drin.

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In MASSA MARITTIMA standen wir auf einem Parkplatz im oberen Ortsteil. Die Sicht ging bis zu den nahen Wohnhäusern. Mehr war da nicht. Ver- und Entsorgung gibt es nicht. Der Weg ins historische Zentrum ist kurz. Wie man auf dem Bild erkennt, auch hier gibt es einen Dom. Den liessen wir links liegen. Uns war mehr ums Eisessen.

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Von der Burganlage hatten Müllers einen guten Blick über den Ort. Der dem, der sich mehr bemüht als der Müller, einiges an Geschichte und Kunst zu bieten vermag.

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Beim Abend beschlossen wir auf Grund der einfachen Stellplatz Verhältnisse anderntags weiter zu fahren. Schon früh am Morgen wach geworden, die Fahrer der Schulbusse liessen neben uns die Motoren Warmlaufen, räumten wir noch vor 09:00 Uhr den Platz. Noch schnell getankt und die Fahrt nach MONTERIGGIONI begann.

Vom Regen in die Traufe

Wir machten uns von BARGA in Richtung Süden auf. Um nach POMARANCE zu kommen nahmen Müllers nicht den direkten Weg unter die Räder. Über LUCCA fuhren wir auf die Autostrada und auf ihr vorbei an PISA nach CECINA nahe am Meer. Von da wieder ins Landesinnere Richtung VOLTERRA. Kurz davor wieder nach Süden bis ins erwähnte Städtchen POMARANCE. Der Ort liegt auf einem Hügel. Der Stellplatz ist ortsnah. Sehr sauber und man kann hier sogar duschen.

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Wie die Müllers eintrafen, liefen viele Radfahrer im Stellplatzgelände herum. Das an diesem Tag ausgetragene Radrennen ging vor einer Stunde zu Ende. Alle wollten vor der Siegerehrung duschen um herausgeputzt an der Pastaparty teilzunehmen. Uns plagten derweil andere Sorgen.

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Wir hatten vor hier drei mal zu nächtigen. Die Gebühr dafür schlappe 30 Euro. Der Automat gibt einem die Vorgehensweise für den Bezahlvorgang sogar in deutscher Sprache vor. Alles paletti, denkste. Flugs ein 20 + ein 10 Euroschein bereit gelegt und für die Karten-Kaution nochmal ein 5 Euroschein. Es verhält sich so, alle Leistungen am Sanitärhaus müssen mit dieser Karte gestartet werden. Toilettenbesuch, duschen usw.
Alles klar, los geht die Automatenfütterung. Zur Erinnerung, drei Tage kosten dreissig Euro plus Karten-Kaution. Zuerst den 20 Euroschein in den Schlitz. Weg ist er. Dann der 10 Euroschein in den Schlitz. Weg ist er. Dann den dritten Schein, der 5er. Kommt wieder raus. Umgedreht, rein in den Schlitz. Wieder raus. Längsgedreht, rein und was passiert? Wieder raus!
Was nun? Müllers haben nur den einen 5 Euroschein. Keiner der vielen Radfahrer wollte unseren 5er gegen einen anderen 5er tauschen. Nach Minuten der Verzweiflung drückte der Müller die Taste „Abbruch“. Was passierte?
Der Automat schepperte, begann zu zirpen und schob einen Zettel aus dem Ticketschlitz. Auf dem stand geschrieben, dass die Müllers 30 Euro Kredit hätten. Die 20er und 10er Noten behielt der Automat zurück.
Müller standen wie der Depp vor der Kiste. Konnten nichts machen ausser überlegen. „Wie und wo bekommen ich den Kredit ausgezahlt?“

Die Platzkarte für eine Nacht, 15 Euro, bekamen wir dank einer netten Passantin, die uns eine ander 5er Note tauschte, doch noch aus dem Kasten.

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Andern Tags ging die Geschichte wie folgt weiter. Müllers gingen Hand in Hand auf das Gemeindeamt in der Stadt. Zeigten die auf dem Google-Übersetzer vorbereitet Kurzgeschichte zum gestrigen Vorgang und den „Kreditzettel“ des Parkschein-Automaten der erst besten Empfangsdame, die nach kürzestem überlegen die Müllers zum nahe gelegenen Polizeiposten schickte.
Die Polizistin, mit einer pinkfarbenen Brille auf der Nase, stand an der Schaltertheke und meinte auf dem Gemeindeamt werde uns bestens geholfen. Die Müllers erklärten mit Händen und Füssen, dass sie schon dort gewesen sind. Die Stirn der Beamtin legte sich in Falten. Sie verschwand im Büro hinter dem Schalter. Gesprächsfetzen drangen bis zu den wartenden Müllers. Schliesslich kam die Frau mit einem Zettel zurück. Auf diesem stand der Name und die Telefonnummer und die Adresse des Verantwortlichen auf dem Bauamt. Oben das Bild vom Schild an seiner Bürotüre.

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Und so sah es in seinem Büro aus. Die Dame auf dem Bild ist nicht etwa die Sekretärin des erwarteten Beamten. Es ist Müllers Frau die sich über die Ordnung im Büro köstlich amüsierte. Nach einer guten halben Stunde, tauchte Herr Cappellini auf. Lautstark auf Italienisch erklärend was ihn aufgehalten habe. Wir verstand nur Bahnhof, hielten ihm aber mutig den Google-Übersetzer und den „Kreditzettel“ hin und oh Wunder er begriff sofort. Nahm den Schlüsselbund vom Tisch ging zum Schrank Inder Ecke. Öffnete diesen und nahm von einem mit Geld gefüllten Teller auf dem untersten Tablar 30 Euro. Drückte die Geldschein der Frau Müller in die Hand, verabschiedete sich und verliess, sich nochmals lautstark entschuldigend, das Büro.

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Erleichtert und überrascht spazierten Müllers zurück zum Wohnmobil. In POMARANCE wollten wir das wieder erlangte Geld nicht ausgegeben, schon gar nicht am Parkschein-Automaten. Also ging die Fahrt weiter.