Im falschen Film

Das kam so:

Müller spaziert zur frühen Morgenstund über Pflastersteine eines kleinen Städtchen auf einem Hügel nahe der Stadt Bulle. Die Sonne wärmt die Häuserfronten entlang der einen Seite der Strasse. Derweil die gegenüberliegenden Häuserzeilen im Schatten ihrer selbst auf den Nachmittag warten, dann wiederum sie gewärmt, dafür die anderen in Kälte erstarren werden.

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Es ist noch ruhig in der einzigen Strasse des Städtchens. Wenige Menschen laufen mit raschen Schritten, an Müller vorbei, wahrscheinlich zur Arbeit. Der steht nach wenigen Minuten Gehzeit am Ende der Strasse vor einem Torbogen eines Schlosses, an dessen Seite für das Museum hinter dicken Mauern gewoben wird. Bei dem schönen Wetter heute, verzichtet nebst Müller wahrscheinlich noch mancher  auf einen Besuch desselben, um die womöglich letzten Herbstsonnenstrahlen draussen geniessen zu können. Auf dem Rückweg werben Skulpturen, Alien gleich, für ein Museum der ganz anderen Art.

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Wie Müller weiter unten von der Strasse an die vom Sonnenlicht erleuchtete Fassade eines Hauses schaut, meint er sich im richtigen Film eines bekannten Meisterregisseur, dessen Werke genau so fesseln können wie die Bilder und Skulpturen des Künstlers, dessen Museum er gerade passiert hat.

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Welches Städtchen durchwanderte der Müller zur frühen Tagesstunde?

Wie heissen der Regisseur? Wie der Künstler?

 

Mittwoch

Es ist der Beginn eines schulfreien Nachmittages.
„Ruhe“, ertönt eine Stimme aus dem Hintergrund. Im Raum verstummt auch das letzte leise Getuschel. Es wird stockdunkel um KleinMüller. Die Spannung steigt. Die vom langen warten auf der Holzbank steif gewordenen Hinterbacken spürt er inzwischen nicht mehr. Sein Blick richtet sich nach vorne, ungefähr dorthin, wo es auf dem aufgespannten, in Dunkelheit verborgenen Leintuch gleich wieder hell werden wird.
Hinter KleinMüllers Rücken beginnt es deutlich hörbar zu surren. Ein lauter Klacks, auf dem Leintuch beginnen, beleuchtet durch die Projektor-Lampe, Bilder zu laufen.
Erst läuft ein Film mit Laurel und Hardy. Anschliessend folgt ein Disney-Trickfilm. Junge Augenpaare starren gebannt auf die improvisierte Leinwand. Nehmen jede Bewegung war. Auch solche welche kein Gelächter auslösen. Beide Filme dauern nur wenige Minuten, dann Pause.
„Wann geht es weiter?“ fragt einer mit zwinkernden Augen, geblendet vom normalen Lampenlicht.
„Für dich und alle die noch nicht in die 5.Klasse gehen, ist Schluss! Der nächste ist ein echter Wildwest Film. Der ist nicht für kleine Kinder. Raus mit euch!“
Murrend schlurft KleinMüller mit anderen aus dem Raum.
Vorbei seine erste Heimkino-Vorstellung.
Übrigens die Vorstellung richteten die älteren Geschwister meines Schulkameraden Markus, dem jüngsten Sohn des Bäckers in unserem Dorf, in ihrem Wohnzimmer aus.
Bestimmt erinnert sich nun auch die Eine oder der Andere von euch an seinen ersten Kinobesuch. Wer mag, schreibt mir von diesem Erlebnis. Bin gespannt.