16 Jahre treu gedient

IMG_0380-KopieDie Zeit ist gekommen, es muss sich was ändern! Schabstellen, Löcher und die unansehnliche Farbe rufen nach was Anderem.

„Viel Vergnügen!“ Mit einem breiten Lachen bis zu beiden Ohren hinauf beginnt der Fahrradmechaniker mit der Demontage des in die Jahre gekommenen Velosattel. Um im anschliessenden Arbeitsgang eine schwarze, neue lederne Sitzbank auf die Sattelstütze zu schrauben. Müller steht in Gedanken versunken daneben und schaut den Mech fragend an. Ein spitzbübischer Gesichtsausdruck ziert sein Antlitz als die Wort, „wirst du noch spüren, kannst ihn auch zurück bringen“ über seine Lippen kommen.

Müller dämmert was gemeint ist. Ein lederner Fahrradsattel einsitzen, ist vergleichsweise wie neue Stiefel einlaufen. Kann zur qualvollen Tortour werden. Ergibt sich  das Leder mit der Zeit dem Sitzfleisch und hat der Formprozess dem Sattel seinen endgültigen Charakter eingewalkt, fühlt sich der Fahrer als Sieger wie im Radl-Fauteuil. Zwar gehen die Erfahrungen verschiedenster fahrradfahrender Hinterteile mit solcher Formarbeit weit auseinander. Müller ist, da sein Hinterteil in den letzten Jahren keine Mühe mit harten Polsterungen bekundete zuversichtlich. „Wird schon werden“, sagt er zum Mech, setzt sich auf seinen neuen Fahrradsattel und fährt davon.