Wie viel darf ein Fahrradsattel kosten?

Für Euch und nur für Euch eines der müllerschen Erlebnisse um Fahrradsättel. Auch als nicht Betroffener, nur Beteiligter bleibt ihm die Geschichte sein Leben lang in Erinnerung.

Mit den Tourenrädern unterwegs bemerke ich wie die Fahrerin vor mir um einiges langsamer in die Pedale tritt. Mein Fragen nach dem Grunde wird nicht schlüssig, eher abweisend beantwortet. So rolle ich mein Fahrrad munter pedalend vor das der Fahrerin. Mein Windschatten scheint die Stimmung der Begleitung nicht heben zu können. Im Gegenteil, immer wieder muss ich meine Fahrt verlangsamen um die Fahrerin an mein Hinterrad aufschliessen zu lassen.

Abends im Zelt, kein Witz, wir übernachten auf einem Campingplatz Nahe Regensburg, wird das Übel von meiner Mitreisenden preisgegeben. Mir stockt bei dessen Anblick der Atem. Vorbei die Reise, ab zum nächsten Bahnhof, Fahrkarten kaufen, so mein Gedanke. Welcher ich auch aussprach, nachdem die Hose der Fahrerin wieder hochgezogen war. Kein Problem meint Sie, etwas Salbe, das heilt schon wieder zu.

Anderntags wird nach wenigen hundert Metern klar, dass die Salbe noch gar keine Wirkung entfaltet hat. Die etwa sechs Zentimeter lange und einen Zentimeter breite Blase entlang der Sitzfläche hat Bestand und muss fürchterliche Schmerzen verursachen.

Meine Gedanken kreisen. Klar, ist schnell was die Ursache für das Übel ist. Der Fahrradsattel, er hat Schuld! Warum? Ein Herrensattel hat nichts an der Anatomie einer Dame zu suchen. Zwar fuhren wir das geliehene Fahrrad mehrere Tage zuhause ohne Probleme. Jedoch trug die Testperson eine andere Radhose als in den letzten Tagen. Diese Kombination, Herrensattel mit anderer Radhose  und viel Reibung verursachte die Riesenblase. Lösung, andere Radhose und NEUER VELO-SATTEL.

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In der nächsten Stadt finden wir ein Radsportgeschäft. Vor dessen Eingangstür werken diverse Leute an defekten Tourenräder. Wir verziehen uns, mit unserem doch sehr intimen Problem im Geschäft in die Ecke mit den Fahrradsätteln. Nun beginnt die Qual der Wahl. Eines ist klar, der Sattel muss genügend kurz und breit sein. Die restliche Beschaffenheit egal, Kosten Wurscht.

Meine Mitfahrerin hält entschlossen ihren neuen Untersatz in der Hand und schreitet zur Kasse. „Moment“, rufe ich, „passt der Sattel auf die Stütze.“ „Montieren sie ihn. Sie können anschliessend bezahlen.“ Draussen vor der Tür geselle ich mich zu den anderen Hobbyfahrradmechaniker. Neben mir versuchen zwei Mädel zum Wechsel eines Tretlagers einen Mechaniker zu bezirzen. Der bleibt hart und gibt nur Tips. Das Werkzeug können wir gratis nutzen. Bezahlt wird bloss das Material. Nach einigem Gefummel ist der Herren- gegen den Damensattel getauscht. An der Kasse trifft mich der sprichwörtliche Schlag, wie mir die Kassiererin den Preis des neuen Sattels sag: „Macht neunfünfundneunzig.“ Ich muss sie entgeistert anschauen: „neunfünfundneunzig“, wiederholt sie, „in Deutschmark,“ fügt sie lächelnd hinzu.

Wir haben die Tour entlang der Flüsse Donau und Inn nach weiteren zehn Tagen in Schuls in der Schweiz beendet. Der Sattel tut heute noch seinen Dienst, auf dem neuen Tourenrad der mir inzwischen sehr nahestehenden Radfahrerin.

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16 Jahre treu gedient

IMG_0380-KopieDie Zeit ist gekommen, es muss sich was ändern! Schabstellen, Löcher und die unansehnliche Farbe rufen nach was Anderem.

„Viel Vergnügen!“ Mit einem breiten Lachen bis zu beiden Ohren hinauf beginnt der Fahrradmechaniker mit der Demontage des in die Jahre gekommenen Velosattel. Um im anschliessenden Arbeitsgang eine schwarze, neue lederne Sitzbank auf die Sattelstütze zu schrauben. Müller steht in Gedanken versunken daneben und schaut den Mech fragend an. Ein spitzbübischer Gesichtsausdruck ziert sein Antlitz als die Wort, „wirst du noch spüren, kannst ihn auch zurück bringen“ über seine Lippen kommen.

Müller dämmert was gemeint ist. Ein lederner Fahrradsattel einsitzen, ist vergleichsweise wie neue Stiefel einlaufen. Kann zur qualvollen Tortour werden. Ergibt sich  das Leder mit der Zeit dem Sitzfleisch und hat der Formprozess dem Sattel seinen endgültigen Charakter eingewalkt, fühlt sich der Fahrer als Sieger wie im Radl-Fauteuil. Zwar gehen die Erfahrungen verschiedenster fahrradfahrender Hinterteile mit solcher Formarbeit weit auseinander. Müller ist, da sein Hinterteil in den letzten Jahren keine Mühe mit harten Polsterungen bekundete zuversichtlich. „Wird schon werden“, sagt er zum Mech, setzt sich auf seinen neuen Fahrradsattel und fährt davon.