Langeweile … 1

Oh wie schön haben es die Müllers. Schon wieder mit dem Reisemobil unterwegs. Die machen seit sie in Rente sind nur noch Urlaub. Fahren ein bisschen Fahrrad, machen ab und zu ein kleine Wanderung oder einen Stadtrundgang und lassen es sich gut gehen. Wird es denen nie langweilig?

Langweile was ist das?
Wer längere Zeit mit einem Reisemobil unterwegs ist dem geht die Arbeit nie aus. Täglich sind Müllers mit irgend etwas beschäftigt. In loser Folge eine jeweils kurze Abhandlung dazu.

Heute „ESSEN beschaffen“:

Der Mensch lebt nicht nur von der Luft alleine, gerne hat er was im Magen. Meist gibt es schon das eine oder andere Restaurant in der Nähe. Doch das zehrt nicht unerheblich am Geldbeutel.

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Auch um Land und Leute kennen zu lernen, kaufen wir möglichst auf dem Wochenmarkt oder im nahen Lebensmittelgeschäft. Spannend sind Einkäufe in Drogerien oder beim Metzger oder Bäcker.
Weil sich die Lagermöglichkeiten im Reisemobil in Grenzen halten, sind Müllers zum Zweck der Lebensmittelbeschaffung so alle zwei bis drei Tage unterwegs. Man ernährt sich nicht gerne über Wochen vom der immer gleichen Kost.

 

Weihnachtsessen mit Gedankenstoss

Heute Mittag war ich zu einem Weihnachtsessen geladen. 150 Leute kamen zu Tischen welche liebevoll dekoriert worden waren. Im Hintergrund spielte ein Mann auf seinen elektronischen Instrumenten Weihnachtsmelodien. Ab und zu schritt er auf einer Querflöte blasend zwischen den Tischen umher. Wir bekamen ein Viergangmenü dazu Wein und Wasser serviert. Wer mochte und das klingt bei einem Weihnachtsessen vielleicht aussergewöhnlich, der bekam auch ein Bier, Cola oder Kamillentee eingeschenkt. Das Gewirr der Stimmen schwoll nach jedem Gang derart an, dass man sich zum Nachbar hinwenden musste um einigermassen zu verstehen, was der einem mitteilte.

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Dazwischen hielt der verantwortliche Direktor des Hauses ein wirklich kurze Ansprache. Begrüsste die Angehörigen seiner ihm Anvertrauten und diese selbst. Gab das Wort an den Vertreter der Behörden weiter. Auch der war schon nach wenigen Sätzen mit seiner Rede fertig. Der nächste Gang konnte vom Servierpersonal hereingebracht werden.

Nach dem Dessert standen die Ersten wie es schien ungeduldig von ihren Stühlen hoch. Griffen nach ihren Gehhilfen und verliessen den Saal. Andere lehnten sich zurück und genossen den Kaffee mit viel Sahne und Zucker. Wie zuvor die, die die Gelegenheit nutzten und sich beim Essen  immer wieder vom Wein nachschenken liessen. Schliesslich wird hier nicht jeden Tage Wein serviert.

Wie ich am Ende des Essens in den Saal schaute, überkam mich ein seltsames Gefühl bei der Frage:

„Wie wird das mal sein, wenn ich in einigen Jahren meine Kinder im Seniorenheim zum Weihnachtsessen lade?“