70 – 95% die Frage

IMG_0382-kopieAls bekennender Schoggi-Esser (bevorzugt Dunkelschwarz, Kakaogehalt 70 – 95%) hat Müller geschnüffelt und geschaut was denn im Web so über die „Schwarze“ geschrieben wird. Zunächst ist er aber von der „Schwarzen“ an die „Bittere“  verlinkt worden. Nicht so schlimm der Begriff ist ihm auch schon über den Weg gelaufen.

Einiges von Dem was im Link geschrieben steht hat Müller gewusst. Doch der Beiname  „Herrenschokolade“ ist ihm bis dato nicht bekannt. Der Ausdruck für Bitterschokolade soll ein Marketingbegriff sein, der Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde, vermutlich zuerst von der Firma Stollwerck.

Nun Müllers Doppelfrage: „Mögt ihr Schokolade mit hohem Kakao-Gehalt  und wie heisst Schwarze Schokolade bei Euch?“

hoch spannend

L1040866-KopieDas war knapp! Schon kommen die Nächsten. Wusch wieder knapp zwischen durchgeflogen. Er gleitet weiter. Da vorn die Übernächsten. Nur keine Berührung, Augen zu. Wie wild rudert er in die Luft. Dieses Mal schafft er es, gewinnt mehr an Höhe, schaut nach unten, die Häuser sind klein geworden. Gut so. Irgendwie rauscht es fürchterlich in seinen Ohren. Er verliert wieder an Höhe, wieder die Leitungen, die hängen an Masten, Hochspannungsmasten!

Er macht seine Arme lang, so lang wie möglich und breitet die Finger seiner Hände fächerförmig aus. So muss sich ein Vogel im Gleitflug fühlen. Doch Müller ist kein Vogel, ganz Mensch beschäftigt ihn gerade die Frage: „Wie runter?“ Er kippt den einen, hebt den anderen Arm und zieht in die Kurve. Jetzt nur noch unter einem Draht hindurch, die Beine nach vorne nehmen und es ist geschafft. Vor ihm eine riesige Menschenmenge auf die Müller geradewegs zusteuert. „Platz daaaaa!“ Wie wild schüttelt er die Glocke in seiner Hand um auf sich aufmerksam zu machen.

Da fällt scheppernd dem Müller sein läutendes Smartphone über die Nachttischkante, der Träumer ist gelandet.

der Geist von Laura

„Hallo die Wäsche ist trocken.“ Die Worte überwinden sein Trommelfell in dem Moment, wie Müller in seinem neuen Buch weiterlesen möchte. Er erhebt sich von seinem Leseplätzchen, hilft die Wäsche am Kleiderständer aufhängen, um auf schnellen Füssen wieder von dannen zu ziehen und das neue Buch wiederum in die Hand zu nehmen. „Ich kümmere mich morgen drum“, seine Worte an die lächelnde Überbringerin der trockenen Textilien.

Heute ist morgen, so bleibt Müller nichts anderes übrig als sich der gestern am Kleiderständer zwischengelagerten Textilien anzunehmen. „Was soll es, jetzt oder übermorgen? Nein, jetzt!“ so des Müllers Gedanken. Ran an das Bügelbrett und los. Die paar Hemden und Hosen sind im Nu platt gemacht. Den Deckel vom Füllstutzen des Tank weggeschraubt, Wasser nachgefüllt, Deckel zugeschraubt, elektrische Schalter ein, Kontrolllampen leuchten. Warten, so 10 Minuten braucht die in die Tage gekommene Laura schon, um mittels der grünen Kontrolllampe ihre Arbeitsbereitschaft kundzutun.

IMG_035210 Minuten, das Leuchten der beschriebenen Lampe fehlt noch. Müller steigt von einem Fuss auf den Andern und wieder zurück. 15 Minuten, immer noch kein Funkeln in der grünen Lampe. Test, Müller dreht mutig am Verschluss des Füllstutzen. Nichts, kein zischendes Geräusch, kein Dampf, wo ist er nur geblieben der Geist von Laura? Wie es scheint hat sich’s ausgedampft und Laura ist ohne Voranmeldung von ihrer Arbeit zurück getreten.

Müller muss nicht lange überlegen und tut es Laura gleich, hat inzwischen wieder sein Buch in der Hand. Dann halt doch übermorgen liebe Laura.

PS: Die Kosten für die Reanimation von Laura (Markenvorname für eine bekannte Dampfbügelstation) sind in der Grössenordnung der Anschaffungskosten einer jungen, schicken, viel leiser dampfenden Namens-Cousine, die der Müller als ganzer HobbyHausMann nicht verpassen will und drum der Neuinvestition lächelnd zustimmt.

fahles Licht

IMG_0375-kopieDie Augenlider bleiern schwer, fallen ohne klappern ihrer Bestimmung gleich, vor die Linsen aufgerissener Pupillen. Müd, schlaf weiter, oh wie wohlig schön.

Doch heut ist nicht des Sonntags Morgen, es ist der vom Montag. Auch wenn Licht erst fahl von Aussen durch Jalousien drängt, heisst es: „Müller auf, Start zur neuen Arbeitswoche!“

die Drähte müssen weg

IMG_0376Die letzten fünf Fahrräder warten  im Keller auf ihre erste Ausfahrt im Jahr 2013. Zuvor muss noch der Fahrer selber in Schuss gebracht werden. So liest Müller die Anwendungsanweisung auf der Tubenrückseite. Die Weisung ist so (zu) lange, dass er bis zur Mitte kommt und sich entschliesst sofort den Deckel von der Tube zu schrauben und die weissliche Flüssigkeit des Inhaltes gleichmässig an seinen Beinen zu verteilen. Vier Minuten warten, ab in die Dusche. Brause in die eine Hand, Waschlappen in die Andere und Wasser marsch. Tatsächlich, die „Drähte“ an Müllers Beinen lösen sich aus ihren Verankerungen um mit dem Wasserstrahl und der Hilfe des Waschlappens in Richtung Abfluss zu rauschen.

Ein rechter Gümmeler (Rennradfahrer) rasiert sich vor der ersten Ausfahrt seine Beine. Heute fährt Müller aus!

es riecht nach Kleber

Das Trotti lehnt an der Hauswand vor einem der schmalen dreistöckigen Häuser in der Vorstadt. In der Wand oberhalb des Trotti-Parkplatzes ist ein grosses Schaufenster eingearbeitet. Der Bub, dessen Hände vor ein paar Sekunden die Lenkergriffe seines  Trottinett losgelassen haben, rennt die wenigen Steinstufen zur schweren Holztüre hoch. Sie wurde vor Jahren an die tief eingemauerten Türangel gehängt. In die obere Hälfte der Türe ist ein rechteckige Glasscheibe in Form eines Fensters eingelassen, geschützt durch ein Eisengitter das auf die Türplanken geschraubt ist. Das Fenster gibt den Blick in einen Raum frei, in den der Junge in der kurzen Hose stürmt, nachdem er neben der Tür schnell am Klingelzug mit dem typischen Handgriff aus gedrehtem Metalldraht gezogen und die Tür aufgestossen hat. Die Klingelglocke bimmelt noch einen Moment weiter und der Bub steht im Raum, still ergriffen hält er inne und geniesst. Hier riecht es nach Leder, Wachs und Lösungsmittel aus dem Leimfass. Wie immer setzt sich der Junge auf einen alten Holzstuhl und schaut von der Seite dem Mann mit der umgehängten Schürze bei der Arbeit zu.

IMG_0002-KopieDieser schneidet Lederstücke für Sohlen zurecht. Nimmt den Pinsel mit Kleber aus dem Fass. Bestreicht Schuh und Sohle um sogleich beides wiederum zur Seite zu legen. Auf einer Ablage liegen Werkzeuge kreuz und quer. Für was die alle gut sind? Der Jung schaut gespannt was weiter geschieht, und es riecht so gut nach Kleber und Leder. Die Klebeflächen von Sohle und Schuh werden vom Mann mit der verrutschten Brille aufeinander über den Schuhamboss zwischen seinen Beinen gestülpt und mit kräftigen Hammerschlägen aneinander geschlagen. Die so zu einander Geklebten dürfen auf der Ablage ruhen bleiben, derweil dem zweite Schuh dieselbe Prozedur widerfährt. Mit einem neu geschärften Ledermesser wird dem ersten Schuh das überschüssige Leder zum Schuhrand hin wegschnitten, dann dem Zweiten. Der alt Mann steht von seinem Stuhl auf dreht den Hauptschalter an der Wand nach oben. Die Maschine lässt sich nicht lange bitten und bringt mit riesigem Lärm die verschiedensten Schmirgel-, Bürst- und Polierrollen in rasende Drehung. Die Schnittflächen an den Sohlenränder werden geschmirgelt, das Oberleder poliert und fertig ist wieder ein Schuhpaar.

Wenn der Müller heute am Haus in der Vorstadt vorbei kommt, erinnert er sich immer ein halbes Jahrhundert zurück, an die Besuche in der Schusterwerkstatt seines Grossvaters. Dem „Grösi“ mit der Schürze, der verrutschten Brille und na klar dem Leimfass, dessen Deckel oft nicht richtig geschlossen war.

am Spiess

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Nasse Füsse floppen die steile Treppe hoch. Schwarze Puma-Flipps geben ihnen Haftung. Überall Feuchtigkeit, auf den Stufen, auf dem Mosaikboden bis in die letzte Ecke.

Müller stösst die mächtige Glastür vor ihm zur Seite trippelt um die Ecke und wird an den Füssen von einem schnittigen Wasserstrahl getroffen. „Entschuldigen Sie,“ ruft eine ganz in weiss gekleidete Frau beim Zurückweichen. Sie hat in ihrem Eifer mit grosser Konzentration dem breiten, schnittigen Wasserstrahl auf dem Boden nachgeschaut, Wie der durch gleichmässige Bewegungen ihrerseits, mit hohem Druck aus einer Düse am Ende einer Metalllanze, welche an einen blauen Schlauch steckend über ihre Schulter hängend, von einem Wandfuss zum anderen schoss.
„Schon Ok“, sagt Müller, „stimmt für mich, wenn der Fussboden sauber ist. Nichts Schlimmeres als über Sockenfluseln und Haare aller Art zur Dusche und Garderobe floppen zu müssen.“ Die Frau putzt mit Hin und Her dem Wasserstrahl nachsehend weiter.

Müller geniesst das laue Wasser in der Dusche, schlüpft danach in seinen grauen Bademantel mit der Stickerei auf dem Rücken welche in grossen Buchstaben seinen Vornamen preisgibt. Das wenige Kopfhaar unter dem blaulackierten, an der Wand montierten Industrieföhn schnell getrocknet, schreiten nun die immer noch nassen, auf schwarzen Puma-Flipps steckenden Füsse in die Garderobe.

Da, wie aus dem Nichts schlägt ein Mark durchdringender Schrei an des Müllers Ohren. Der Schrei geht in Gewimmer über um sogleich, auf ein Neues ohrenbetäubende Ausmasse anzunehmen.
Müllers gute Laune ist im sprichwörtlichen Eimer. Nach dieser Ruhe im Schwimmbecken, unzählige Längen auf- und abschwimmend, nun die reine Hölle. Das Kindergeschrei verstummt nicht, hält an. „Soll ich rüberkommen und mithelfen!“ Müller brüllt die Wort so laut wie möglich über die Mauer zur Damen-Garderobenseite. Auf einen Schlag kehrt Ruhe ein, nein Stille. Kein Wort mehr, den Kindergeschrei zu hören nur die schiere Stille. Dann, „Du musst jetzt leise und ganz schnell die Kleider anziehen“, im Flüsterton beginnt eine Frauenstimme ihre Motivations-Leier welche schon hunderte Male in Müllers Ohren lag. „Sonst kommt er rüber!“

„Vielen Dank.“ Vor Müller steht ein Mann seines Alters, „Mir gab das Kind am Spiess auch auf die Nerven.“ Sagt es und verschwindet hinter seinem Garderobenkasten.

Wirbel über Kopfsteine

L1030193 kopieDie Reifen auf den Carbon-Felgen haben heute einen kleineren Luftdruck inne. Die Strassenbeläge werden ständig wechseln. Vom Babypopofeinen, zum dick Verstaubten und von Kopfsteinpflaster übersäten wieder zurück. Der Strassenbelag ist das Eine, richtig schwierig ist es die Steigungen hoch zu kommen. Zum Glück stehen da die Zuschauer hinter Sperrgittern wie im Zoo. Sie brüllen wie am Spiess was motivieren soll. Müller teilt sie auf in Freunde, Fans und Fanatiker. Wer wer ist, keine Ahnung.

Auf der letzten Runde, jetzt um die Rechtskurve rein in die mit Kopfsteinen übersäte Steigung. Die türmt sich immer steiler auf. Nur das Hinterteil nicht vom Sattel nehmen, der Gummi der Reifen auf den Carbon-Felgen würde dadurch seinen Griff zu den Holppersteinen verlieren. Tempoverlust die Folge, schlimmstenfalls wird man von einem gegnerischen Ellenbogen berührt, steigt vom Rad und stöckelt ans Ende der Steigung.

Müller hört die Fans, Fanatiker rufen. Sein Blut ist der Art in Wallung es kann nicht gefrieren, dafür stellt sich sein Nackenhaar. Geschafft als Erster oben, nur noch 15 Kilometer bis ins Ziel. Mit dem allergrössten Gang seiner Fahrradschaltung wirbelt er davon, braust dem Ziel entgegen. Die Gegner liegen schon eine Minute zurück! Noch 100 Meter, die Arme hoch, beide Zeigefinger in den Himmel gereckt. Es rollen zwei Reifen mit niederem Luftdruck auf Carbon-Räder über die Ziellinie. Gewonnen, Bravo!

Müller steht vom Fernseher auf, stapft in die Küche und holt ein Bierchen. Derweil beginnt die Siegerehrung für einen bekannten Schweizer Radfahrer welcher soeben in Flandern ein Rennen (hoffentlich sauber) gewonnen hat. Prost vom Zuschauer Müller.

da waren es noch Fünf

L1010387 kopieDas Shirt sieht nicht mehr aus wie einst und stinkt ziemlich zum Himmel. Jedenfalls für all die, die nicht so gerne Dämpfe von Lösungsmittel um sich haben.

Da stehen Beide und strahlen. Kein Wunder, endlich ist das Folterwerkzeug Spraydose, mit samt dem baumwollenen T-Shirt beiseite gestellt. Jetzt sollte jeder der sich den Beiden nähern will besser eine Sonnenbrille aufsetzen. Der Glanz könnte prompt ins Auge gehen.

Was war den da los? Rückblick: Der Müller hat sich, nach dem er seine Kakteensammlung nach deren Überwinterung näher besichtigt hat, ziemlich enttäuscht um eine Ablenkung bemüht. Weil, warum? Die überlebenden Kakteen und die welche auf dem Kompost landeten, sahen nicht sehr tolle aus. Selber schuld Müller, wenn Du den neuen Überwinterungsplatz zu wenig beobachtet hast. Ein Drittel der Gewächse ist futsch. Wieder was gelernt.

So kommt es, dass ein frustig Angestachelter zwei Zweirad-Sätze aus seinem Bestand von insgesamt Sieben, der dunklen Kellerecke ans Licht entreisst, um die Zweiräder sogleich mit Spülmittel und Wasser aus dem Gartenschlauch zu traktieren. Die weissen Schäumchen die dem ausgedrückten Schwamm zwischen Müllers Händen entsteigen, werden bei jeder Wiederholung der Prozedur schwärzer und schwärzer.

Erst nach dem zweiten Waschgang verschwinden all die Schmutzablagerungen, welche sich in den letzten Wochen im harten Wintereinsatz, an Felgen, Rahmen und Schutzblechen gebildet hatten.

Nach der unangenehmen Wäsche folgt die Wohlfühlbelohnung. Dabei reibt der Müller mit dem T-Shirt alle noch feuchten Stellen an den Beiden trocken. Bringt da und dort noch einen Pfupf WD-40 an, nicht vergessend die Ketten mit Oel vom feinsten zu beträufeln.

So stehen nun zwei glänzend, wie neu aussehende Alltag-Fahrräder im Hof und hoffen auf die grosse Frühlingsausfahrt. Aber, die Beiden müssen sich noch wie die fünf anderen winterdreckigen Radsätze etwas gedulden, weil der Müller hat jetzt kalte Finger und will in die Wärme.

Müller geht stiften

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Diese Woche geschieht es, nach über einem halben Jahr des Wartens endlich grünes Licht.
Der Müller schwingt sich bei Minustemperatur auf sein geliebtes Tourenrad. Den Lenker fest im Griff der mit Handschuhen umhüllten Hände fährt er los. Die Füsse stecken in den nicht minder geliebten Lederstiefeln. Es ist kalt, saukalt, gut hat Müller unter seinem Fahrradhelm noch eine Sturmhaube über seinen Kopf gezogen. Die Nase tropft nach kurzer Zeit. Müller steigt vom Rad, Taschentuch hervor, Rotze weg, aufsteigen, weiterfahren. Ein kräftiger Wind stemmt sich dem Radler entgegen. Wird noch eine Weile dauern bis das Ziel erreicht ist.

Als Müller auf Betriebstemperatur gekommen ist heisst es absteigen, Fahrrad hinstellen, abschliessen, der Helm samt Sturmhaube und Handschuhe verschwindet in der Fahrradtasche die Müller immer an seinem Rad festgezurrt hat. Die Taschen sind schon sehr, sehr alt und somit erweckt das ganze Fahrrad den Anschein von uralt. Bis jetzt hat es noch nie jemand entführt und Müller hofft das das so bleibt.
Die Schieber der Lifttür öffnen sich, zwei Schritte Müller steht an der nächsten Türe und ein Zeigefinger drückt den Klingelknopf bis zum Anschlag. Hinter der Tür ringt eine schrille Glocke nach Ruhe, sie gibt einen nervtötenden Ton von sich. Müller zieht seinen Finger zurück, Ruhe. Er öffnet die Tür. Hinter einer Theke sitzt eine junge Frau, schaut kurz auf: „Müller?“. „Ja“, sagt der. „Warten Sie einen Moment dort.“ Das Kinn der jungen Frau zeigt in Richtung einer weiteren geöffneten Tür. Müller geht durch die Tür in den Raum, greift sich das NZZ-Folio setzt sich, wartet.

Nach gefühlten 10 Minuten reisst eine Stimme den Folio-Leser in die Wirklichkeit zurück. „Wir sind so weit, bitte folgen sie mir.“ Dieses Mal ist die Frau noch jünger wie es Müller dünkt und noch eine Spur hübscher.
„Stimmt die Lehne? Es geht noch einen Moment.“ Müller schaut gelassen aus dem Fenster, sieht einen Hügel mit Häusern voll gespickt. Was die wohl wert sind?

„Dann schauen wir Mal!“ Neben Müller taucht eine Gesichtsmaske auf. „Ok, sieht gut aus. Einmal röntgen!“ Das hübsche Fräulein eilt hinter der Gesichtsmaske nach draussen nachdem es dem Müller einen Bleimantel übergelegt hat. Klick, summ. Die Gesichtsmaske kommt zurück, starrt in einen Bildschirm welcher etwas weiter weg steht. „Ok,“ murmelt die Stimme hinter der Maske.
Zwei Hände in Latexhandschuhen greifen zu. Setzen ein Werkzeug an die Inplantat-Kappe in Müllers Mund, dann geht alles schnell. Stift raus, Stift rein, auf Stift beissen, Mund auf, mit einem Drehmomentschlüssel Stift nachgezogen, Kleber drauf, Zahnersatz drauf, Gegenseite den Zahn etwas nachschleifen, Fertig.

Müller hält einen Spiegel vor seinen Mund. Den schneeweissen falschen Zahn kann er nicht übersehen. Schmerzen keine, jetzt schnell vom Stuhl.

Die etwas weniger hübsche Frau an der Theke reicht den Erinnerungszettel für den Kontrolltermin an den stiftenden Müller. Der ist froh sich bis nach Ostern sicher vor den Latexhandschuhen fühlen zu dürfen.

nun spriesst er wieder

bärlauch

Draussen ist es diesig, so in der Art: „Werde lieber zum Stubenhocker und lass dich als Sonnenersatz von der Glotze anstrahlen.“

Aus der Küche verlautet ein ganz anderes Ansinnen. Müller möge die Wanderschuhe für einen kleinen Spaziergang anziehen! Was da wohl wieder kommt? Ok, die Steuerformulare links liegen lassen gefällt. Schwups steht der Heim-Bürolist in den groben Auswärts-Schuhen an der Tür. Los geht die Aktion.

Erst führt der Weg zwischen den Häuser der Wohnsiedlung der Müllers an den nahen Bachlauf. „Wir müssen den Hügel hoch“, dirigiert die Stimme aus der Küche den Müller vorwärts. Eh er sich versieht, bekommt er einen Plastiksack mit dem Hinweis in die Hand gedrückt: „Nicht zu Grosse, nicht zu kleine Blätter.“ „Den ganzen Sack?“ fragt Müller. Seine Begleitung bleibt stumm, dafür steht ein mildes Lächeln im Gesicht der Küchenstimme. Müller gibt sich Mühe, legt los. Gar nicht so schlimm, die Blätter-Zupferei da draussen an der frischen Luft. Einzig nach Knoblauch riechende Müller-Finger stören etwas die Idylle.

Es ist wieder Zeit geworden für Ihn. Er spriesst und Küchenstimmen marschieren  mit Gehilfen los Ihn aufzusammeln, damit aus Ihm feine Saucen oder Anderes entsteht.

Und die Hunde? Sie waren hoffentlich nicht da, Hurra!

Der Bärlauch.