Aus vier mach fünf

In Müllers Wohngegend sind die Gemeinde-Steuersätze ziemlich im Keller. Dagegen die Beträge für Wohnungsmieten in schwindelerregenden Höhen angelangt. Im Frühling freut es daher Müller immer aufs Neue. Seine, in den Wintermonaten geschrumpfte Wohneinheit, vergrössert sich wieder.

Was da geschieht? Ganz einfach, erst wird geräumt, eingetopft, gescheuert, gewischt und somit Balkonien eröffnet. Aus vier Zimmer werden fünf.

Balkon P1020432

Herrlich, draussen sitzen um auf das pulsierende Quartier zu schauen. Sich dabei Frischluft um die Nase wehen lassen und nicht daran denken: „Der nächste Winter kommt bestimmt.“

 

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Hamburg – Stapel 105km, Tag 1, Radtour 2013

2013-06-23 Hamburg-Stapel

Guten Morgen
Nach der Fahrt mit dem Nachtzug geht Müller, sein Tourenrad neben sich herschiebend, vor den Hauptbahnhof Hamburg.
Heute fährt er von Hamburg in die Elbauen zum Weiler Stapel im Amt Neuhaus.

Euch allen einen schönen Tag. Nachrichten zu Müllers WANN, WAS, WIE, WO sind den ganzen Tag bei  Twitter unter Notiznagel nachlesbar.

Mit Radler-Gruss an Nah und Fern vom 60-jährigen Reisenden.

16 Jahre treu gedient

IMG_0380-KopieDie Zeit ist gekommen, es muss sich was ändern! Schabstellen, Löcher und die unansehnliche Farbe rufen nach was Anderem.

„Viel Vergnügen!“ Mit einem breiten Lachen bis zu beiden Ohren hinauf beginnt der Fahrradmechaniker mit der Demontage des in die Jahre gekommenen Velosattel. Um im anschliessenden Arbeitsgang eine schwarze, neue lederne Sitzbank auf die Sattelstütze zu schrauben. Müller steht in Gedanken versunken daneben und schaut den Mech fragend an. Ein spitzbübischer Gesichtsausdruck ziert sein Antlitz als die Wort, „wirst du noch spüren, kannst ihn auch zurück bringen“ über seine Lippen kommen.

Müller dämmert was gemeint ist. Ein lederner Fahrradsattel einsitzen, ist vergleichsweise wie neue Stiefel einlaufen. Kann zur qualvollen Tortour werden. Ergibt sich  das Leder mit der Zeit dem Sitzfleisch und hat der Formprozess dem Sattel seinen endgültigen Charakter eingewalkt, fühlt sich der Fahrer als Sieger wie im Radl-Fauteuil. Zwar gehen die Erfahrungen verschiedenster fahrradfahrender Hinterteile mit solcher Formarbeit weit auseinander. Müller ist, da sein Hinterteil in den letzten Jahren keine Mühe mit harten Polsterungen bekundete zuversichtlich. „Wird schon werden“, sagt er zum Mech, setzt sich auf seinen neuen Fahrradsattel und fährt davon.

Auch wir haben gelitten

IMG_0433-kopiedamals, wie Triathlon noch schweizweit in den Kinderschuhen steckte.
Sind bei Wassertemperaturen um 16°C angetreten, im Wissen dass die wirkliche  Temperatur, 60cm unter der Wasseroberfläche noch etwas tiefer lag. Haben neidisch auf die geschaut, welche vom Freund einen Taucheranzug liehen, aus dem sie nach vollbrachter Anlandung in der Wechselzone nicht mehr ohne Hilfe rauskamen, derweil wir uns schlotternd in den Bademäntel trocken rieben, Radlersocken versuchten über die nassen Füsse zu stülpen, nackig verschämt die Velohosen unter dem Bademantel hochzogen um danach das Radleibchen, welches sich am feucht gebliebenen Rücken rollte, mit akrobatischen Verrenkungen in die richtige Position zu ziehen.
Sind mit dem Rennrad, an dessen schweren Stahlrahmen mit Klebeband Bananen befestigt waren, losgerannt. In der Getränkeflasche schwappte schäumend Ahorn-Sirup mit Wasser verdünnt. Aus der Trikottasche ragte, eingerollt in die Regenjacke die Fahrradpumpe, derweil in der Satteltasche die Ersatzschläuche durchgeschüttelt wurden. Helm waren damals schon ein Muss. Zur Not tat es auch ein Riemli-Helm. Am Rand der Wechselzone schwangen wir Helden uns in die Fahrradsättel, zogen die Lederriemen an den Pedalen feste über die Fahrradschuhe um richtig loszulegen.
Zurück von der Radrunde wurde auch zum Laufen das Outfit getauscht. Leicht Hose, Leibchen,  Socken und Laufschuhe aus der Leichtathletik übergestreift. Dazu das Käppi, mal als Sonne- mal als Regenschutz aufgesetzt. Die eine oder andere grössere Fläche nackter Haut unterhielt die wartenden Zuschauer, sollte sich der Umziehende nicht in die nahen Garderoben zurück gezogen haben. Wir hatten Zeit.

Dies Alles ging heute dem Müller durch den Kopf, wie er als Helfer am zytturm triathlon in Zug am Streckenrande stand. Um wie viel hektischer und teurer ist heute ein Triathlon-Anlass. Selbst die Teilnehmer mit Aussicht auf hintere Plätze leisten sich massgeschneiderte Schwimmanzüge, mit denen sie beim Start in eine Horde Pinguine eintauchen. IMG_0438-kopieKaufen die teuersten Rennräder. Tragen ein Kleidungsstück für alle Disziplinen, nur die Schuhe, Helm und Käppi werden gewechselt. Die Sonnenbrille ein Muss. Auch wenn diese während der ganzen Radfahrt auf den Helm gesteckt bleibt. Socken für was? Anziehen bringt nur Zeitverlust beim Disziplinen-Wechsel. Nicht umsonst wird von der vierten Disziplin im Triathlon-Sport gesprochen. Die genau so intensiv wie die drei Anderen trainiert werden. Auch die Veranstalter sind gefordert. Hohe Versicherungen, viele Bewilligungen, hunderte von Helfer rekrutieren und vieles mehr steigert die Aufwände.

Triathlon, ein Beispiel für unsere Zeit alles schneller, höher und weiter, nicht bloss bei sportlichen Ziel.

fahles Licht

IMG_0375-kopieDie Augenlider bleiern schwer, fallen ohne klappern ihrer Bestimmung gleich, vor die Linsen aufgerissener Pupillen. Müd, schlaf weiter, oh wie wohlig schön.

Doch heut ist nicht des Sonntags Morgen, es ist der vom Montag. Auch wenn Licht erst fahl von Aussen durch Jalousien drängt, heisst es: „Müller auf, Start zur neuen Arbeitswoche!“

die Drähte müssen weg

IMG_0376Die letzten fünf Fahrräder warten  im Keller auf ihre erste Ausfahrt im Jahr 2013. Zuvor muss noch der Fahrer selber in Schuss gebracht werden. So liest Müller die Anwendungsanweisung auf der Tubenrückseite. Die Weisung ist so (zu) lange, dass er bis zur Mitte kommt und sich entschliesst sofort den Deckel von der Tube zu schrauben und die weissliche Flüssigkeit des Inhaltes gleichmässig an seinen Beinen zu verteilen. Vier Minuten warten, ab in die Dusche. Brause in die eine Hand, Waschlappen in die Andere und Wasser marsch. Tatsächlich, die „Drähte“ an Müllers Beinen lösen sich aus ihren Verankerungen um mit dem Wasserstrahl und der Hilfe des Waschlappens in Richtung Abfluss zu rauschen.

Ein rechter Gümmeler (Rennradfahrer) rasiert sich vor der ersten Ausfahrt seine Beine. Heute fährt Müller aus!