Knarzgeräusche

Es ist zum verzweifeln! Müllers Radtour startet bei schönstem Wetter. Perfekte Lufttemperatur, die Sonne am Himmel wird nur selten von einer Wolke verdeckt. Des Fahrradfahrers Herz schlägt höher den je. Wenn da nicht die Knarzgeräusche vom linken Schuh an Müllers Nerven zerren würden. Was soll es, die Ausfahrt hat gerade begonnen und umdrehen bei dem Wetter, kommt für den Geplagten nicht in Frage.
Nach der Rückkehr ist genug Zeit sich um das Schuhwerk zu kümmern. Zum Glück bläst ab und zu ein Gegenwind um Müllers Ohren. Dann ist das Geräusch nicht zu hören, bergauf dafür umso deutlicher, ob mit oder ohne Wind.

Nach 72km wieder zurück am Reisemobil staunt Müller nicht schlecht. An beiden Schuhen löst sich das Gummiprofil. Am rechten Schuh ist die Sohle gar eingerissen.

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Was tun? Müller fährt erst in zwei Tagen nach Hause. Sich aber vor allem seiner Frau kann er die Knorzerei bei einer nächsten Ausfahrt nicht zumuten. Mal kurz nachdenken was Abhilfe schaffen kann. Darauf die Idee: Fett!
Schuhfett genauer, davon führt Müller eine ganze Dose mit um seine Wanderschuhe zu pflegen. Von diesem Fett streicht Müller eine grosse Portion in die Ritzen zwischen Schuh und sich lösende Sohle.

Somit sollten die zwei kommenden Touren doch noch in erträglicher Geräuschkulisse über die Bühne gehen. Mal sehen, besser gesagt: hören.

Ausflug

Der ist mehr ein Rollen den ein Ausfliegen. Geflogen wird zwar auch, doch davon später.

Müllers, wiedermal im schwarzen Wald unterwegs, nehmen sich vor, die Spitze des Schwarzwald-Feldberges rollend zu erklimmen. Denn die Fahrräder sind immer schnell aus dem Reisemobil-Keller zur Hand. Noch die Antriebsketten nachgeschmiert, kann die Aktion noch vor dem Mittag gestartet werden. Nach wenigen hundert Meter überkommt den Müller eine unbändige Lust. Drum wird beim Dorf-Café der erste Einkehr-Schwung getätigt und wieder vom Rad gestiegen. Ein Espresso muss es sein.

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Weil Müllers Räder nicht bellen (sieh Bild), stehen die artig im dafür vorgesehenen Eisengebilde und warten auf die Weiterfahrt. Kaum ist die gestartet, bemerkt der Tourenführer den leeren Flaschenhalter an seinem Fahrrad. Ein  Grund im Weiler Aha nochmals abzuschwingen. Der Verkäufer im Kiosk ist kurz angebunden. Nur zu einem kurzen Wortwechsel bereit. Er macht sich Sorgen um sein Geschäft. Schaut immer wieder zum bedeckten Himmel. Bestimmt werden heute nur wenige Radler auf der nahen Strasse vorbeirollen. Müller grüsst und geht, über die Wetterlage mag er auch nicht reden. Die PET-Flasche im Halter fixiert. Los geht es zum ersten Aussichtspunkt.

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Die Forstweg steigen meist an. Der Hügel Feldberg soll doch tatsächlich über 1400 Meter über Meeresspiegel hoch sein. So müssen rund 400 Höhenmeter rauf geradelt werden. Einmal können Müllers das Strampeln lassen weil es wieder ordentlich runtergeht. Doch, die Höhenmeter müssen nach der fetzigen Talfahrt wieder zurück erobert werden. Auf der Passhöhe ein seltsames Stahlgerüst.

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Die Bautafel schafft Klarheit: Hier wird ein Parkhaus gebaut. Für nicht weniger als 1000 PkW der Wintertouristen, die sich in Bälde hier oben wieder im Schnee tummeln sollen.

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Dieser Hydrant wird von Müllers nicht beansprucht. Das Wasser aus der kleinen PET-Flasche reicht. Die Sonne steckt hinter den Wolken fest. Der Wind bläst eiskalte Luft von Westen heran und damit von der Seite. Böig dazu und in der Stärke eines mittleren Sturmes.

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Das Ziel vor Augen strampelt es sich leichter. Wenn sich einem zusätzlich der Berg mit 12 und mehr Steigungsprozenten entgegen stellt wird es jedoch ungemütlich. So wird Müllers Lebensbegleitung, zweimal durch einer Windböe von der steilen Strasse gefegt (geflogen) und kann darauf die Steigung bloss noch zu Fuss bewältigen. Nur Fliegen ist schöner.

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Oben auf dem Feldberg brauchen die Müllers keine drei Minuten um in Vollmontur nach dem Zwiebelprinzip alle vorhandenen Kleidungsstücke überzuziehen und sich  darauf in die Abfahrt zu stürzen. Der Herzschlag ist fast gleich hoch wie bei der Bergfahrt. Die Schräglage gegen den Wind, um nicht vom Rad geblasen zu werden, erstaunt viele wandernde Zuschauer welche uns verblüfft nachschauen. Von der Passhöhe hat noch einer mit offenem Mund und in 3D-Optik, der rasenden Abfahrt zugeschaut

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Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Abfahrt mit manchem Zwischenhalt. Die Heidelbeerstauden müssen von ihrer Last befreit werden. Die Müllers kommen mit stark gebläuten Zähnen an ihren Ausgangsort zurück.
Was die Bedienung im Café zur Frage veranlasste: „Noch etwas Blaubeerkuchen gefällig?“

sicher,

auch ein Notiznagel hat Verwandte.

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Ihr nagelistisches Fassungsvermögen für Notizpapier hat zwar Grenzen, hält keinem Vergleich mit einem Notiznagel stand. Doch die Fähigkeiten der Reissnägel sollte nicht unterschätzt werden. Für einen Plattfuss am Fahrrad reicht ihre Länge allemal!

zwei Blicke ……

einer von unten nach oben

Blick zum Monte Isola
Blick zum Monte Isola

einer von oben nach unten

Blick auf Sulzano
Blick auf Sulzano

Bemerkung: Die Müllers fuhren die 350 Höhenmeter mit ihren Fahrräder (ohne Elektroantrieb) nach oben und mit Vergnügen auch wieder runter.

viel Ehre

Auf die Plätze fertig, los!

Er tritt in die Pedalen. Vor dem Haus in dem er wohnt, fällt die Strasse leicht ab. Schnell nimmt das Fahrrad auf dem er sitzt Fahrt auf. Wie er wieder von der Strasse auf und nach vorne schaut, sieht er wie alle seine Konkurrenten durch die Rechtskurve verschwinden. Nach wenigen Augenblicken ist auch KleinMüller an dem Ort wo die anderen rum geschrammt sind. Er legt sein Fahrrad in die Kurve und kommt in einem Zug ohne zu bremsen rum.

Die Strasse fällt nun steiler ab, die Fahrt wird schneller. Das STOP-Signal neben der Einfahrt in die Hauptstrasse kommt rasend schnell näher. Ein Blick nach links, kein Auto in Sicht! Wieder ohne zu bremsen durch die Kurve. Auf der Geraden das Fahrrad aufrichten und strampeln, strampeln was die Beine hergeben. Die Mitstreiter, alle um Köpfe grösser als KleinMüller pedalieren schon auf der Höhe der neuen Kirche, werden im Nu die Rechtskurve beim Schulhaus erreichen und sind damit wieder ausser Sichtweite. Sie sind alle nicht nur grösser, auch viel stärker und damit die klaren Favoriten auf den Sieg, in dem kurzfristig, vor dem Mittag einberufenen Radrennen.

Wie KleinMüller um die Schulhauskurve zieht, sieht er am Ende der sich ihm in den Weg stellenden Steigung die letzten beiden Grossen am Horizont verschwinden. Er drückt den Hebel der Armatur für die Dreigangschaltung nach unten, hebt seinen Hintern aus dem  Sattel und schwingt im Wiegetritt auf seinem Rad den steilen Hügel hoch. Oben angekommen, fährt er wiederum alleine bis zum Haus wo er wohnt. Jetzt sind alle verschwunden. 12 Runden sind ausgemacht, es beginnt KleinMüllers Zweite. Der Durst wird grösser. Drum hält KleinMüller bei der Alten Kapelle. Vor der steht ein Brunnen. Da gibt es köstlich frisches Wasser zu trinken. Wie er sich zum Wasserspeier vorbeugt, künden seine Konkurrenten im Vorbeisausen die erste Überrundung an. Schnell steigt er wieder auf sein Fahrrad um den Grossen nach zu kommen welche bereits wieder um die Schulhauskurve biegen. Dieses Mal bleibt KleinMüller im Sattel sitzen um im kleinsten Gang seiner Kettenschaltung den Hügel zu erklimmen.

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Natürlich hat er auch dieses Mal das nachsehen. Alle sind schon wieder weggefahren. So geht das Runde für Runde. Keiner der Mitstreiter kommt mehr in Sicht. Mit hochrotem Kopf und keuchendem Atem kämpft sich KleinMüller weiter. Weiter bis er erstarrt von dem was er am Strassenrand zu sehen bekommt. Seine rasende Fahrt ausrollen lässt und schliesslich beide Bremshebel bis an die Handgriffe zieht, die Füsse auf den Boden stellt und nach Atem ringt.

Vor ihm stehen die Fahrräder seiner Konkurrenten. Die biegen sich vor lachen und halten ihre Bäuche wie sie aus der Deckung des nahen Gebüsches kommen.

„Das waren aber viel Ehrenrunden!“, ihr spöttischer Kommentar.

„In San Pellegrino …..

…… gibt es bloss Wasser!“ ruft Frau Müller, wie deren Mann den FRIDOLIN zur berühmten Therme hinsteuert.

Tatsächlich lässt sich im Städtchen nicht so schnell ein Parkplatz für das Reisemobil FRIDOLIN auftreiben. So werden mehrere Zusatzrunden gefahren. Leider ohne Erfolg. Die Suche wird gar peinlich wie Müller auf die viel zu kleine Einfahrt eines Parkhauses zu steuert. Genau dieses Manöver aber bringt den gewünschten Erfolg.

Neben der Einfahrt zum Parkhaus nur für PkW steht auf einem gekiesten Platz ein Bus eines örtlichen Personentransportunternehmens. An die andere Seite des Platzes geparkt, zieht Müller den Zündschlüssel aus dem Schloss, steigt aus um den Fahrer des Bus nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Der überlegt nicht lange an seiner Antwort und lädt Müllers ein stehen zu bleiben, was beide gerne annehmen.

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Nach einem Imbiss werden die Fahrräder auf das zum Radweg umfunktionierten Bahntrasse gestellt. Dies verläuft unmittelbar vor dem Busparkplatz. Den Berg hoch zu fahren ist ein Kinderspiel. Die zwei Promille Steigung machen keine Mühe. Nur in den Tunnel die kunstvoll beleuchtet sind, ist es durch die kalte Zugluft etwas ungemütlich. Der Rückweg wird im Eilzugstempo angegangen da am  Himmel Gewitterwolken aufzieht. Ein feines Eis in der nahen Celateria mit einer Riesenauswahl aber gibt es trotzdem.

Wie Müller die Fahrräder im Reisemobil verstaut, entdeckt er den Wegweiser zum Radweg welcher nach 22 km das Tal hinunter in Bergamo endet. Zeit für diesen Streckenteil aber steht morgen nicht zur Verfügung. Mit dem Busfahrer ist bloss eine einzige Übernachtung ausgemacht. So starten die Müllers am anderen Morgen schweren Herzens FRIDOLIN’s Motor um auch ja keinen schlechten Eindruck beim Buspersonal zu hinterlassen.

Sie haben ihren Ständer unten

Welchen Ständer? Müller schiebt sein Tourenrad neben sich her auf den Fahrradabstellplatz neben der Café-Terasse. „Passen Sie auf, der Ständer ist wirklich unten!“ ruft eine Männerstimme aus Richtung des letzten Tisches in einer langen Reihe vor dem, von Müller für eine Erfrischung ausgesuchten Strassencafés. „Natürlich ist der Fahrradständer nach unten geklappt“, denkt Müller und lässt sein Tourenrad samt Gepäck von dem soviel Aufmerksamkeit verbreitenden Ständer in der Vertikale haltend zurück und wendet sich dem letzten Tisch in der langen Reihe zu.

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Da sitzt der rufende Mann mit zwei adretten Damen, welche sich vor Lachen biegen. Der nach unten zeigende Ständer muss die offene Heiterkeit ausgelöst haben. Müller bedankt sich für die Aufmerksamkeit und verrät damit seine Herkunft. „Sie kommen aus der Schweiz!“, ruft eine der beiden Damen. Sofort kommt ein Gespräch zum Woher – Wohin in Gange. „Mit dem Zug von Zürich über Stuttgart nach Frankfurt, dann hierher nach Oberrad“,  erzählt Müller. „Warum gerade in diesen Vorort von Frankfurt?“ wird gefragt. „Zufall“, antwortet Müller wahrheitsgemäss.

Die drei lassen nicht locker. Müller und seine Mitreisende werden an den Tisch geladen und erfahren aus berufenen Munde so einiges über Region und Leute. Obschon die Drei seit den frühen Mittagsstunden hier sitzen, und eigentlich schon lange die morgens eingekauften Lebensmittel in den Kühlschrank verstauen sollten, beantworten sie  jede Frage der Müllers gerne. Die Themen spannen sich von gefahrenen Radtouren über ausgeübte und aktuelle Berufe hin zu Unterkünften beim Reisen, der Banken-Welt in Frankfurt und der Schweiz, schätzen von Altersjahren und der Spezialität der Region der „Grünen Sauce“ und vieles mehr.

Immer wieder bringt die Bedienung gefüllte Gläser und tauscht den vollen Aschenbecher gegen einen leeren. Die Stimmung wird lustig und lustiger, verführt zum Verweilen bis der Blick auf Müllers Uhr klar werden lässt, der Nachmittag ist um. Das Zimmer im Hotel an der Strasse welche den Dorfhügel hoch führt ist immer noch nicht bezogen. Die vorgerückte Stunde wollen die Gastgeber nicht als Argument zum Gehenlassen der Radfahrer aus der Schweiz gelten lassen. Sie kennen den Besitzer des Hotels, welches sehr sauber sei und mit einer ausgezeichneten Küche Leute aus Nah und Fern anlocke, dieser Besitzer werde das Zimmer schon nicht weiter geben. Müller muss sich was einfallen lassen um losziehen zu können. Die Lösung kommt in Form einer riesig schwarzen Wolke daher.

Kaum hat sich die lustige Runde aufgelöst fallen die ersten Regentropfen vom dunklen Himmel. Die adretten Damen setzten sich unter einen Sonnenschirm zu zwei jungen Männern und ziehen den Nachmittag damit noch weiter in die Länge. Die Müllers klappen ihre Fahrradständer hoch und fahren los.

Spannend wie der ausgeklappter Fahrradständer zu einer unvergesslichen Begegnungen führt und damit die Radtour bereichert.

Radtour 2013: „einen Weg“

Ein Schlagwort lässt hoffen: „Es gibt immer einen Weg.“ Schade wenn der gerade gefahren wurde und es nun kein Weiterkommen gibt.

Ist der Müller selber Schuld, hat zum Beispiel das Weg-Wiserli übersehen, nervt das genau so wie wenn die Markierungen (Wiserli) verstellt oder ganz weggelassen wurden. Auf Radtour in der zweiten Tageshälfte kann solcher Moment zu einem Motivations-Defizit führen. Ist der Müller alleine wird laut, oder wenn nicht, leise was die finsteren inneren Gründe herzugeben im Stande sind geschimpft. Findet sich nichts mehr verbal ausdrückbares  und die Wut ist raus, lässt es sich gut überlegen ob zurück oder vorwärts der richtige Weg ist.

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Ein einzig Mal vor der Stadt Magdeburg in solcher Situation, fährt Müller vorwärts. Eine 200m lange Strecke bei deren Bewältigung es ihm nicht geheuer ist. Der Radweg liegt in, besser unter einer trüben stinkenden Brüh Überschwemmungswasser, die es nicht zu lässt die Tiefe zum Grund mit den Augen einzuschätzen. Seit über 10km Fahrt erinnert sich Müller an keine Abzweigung um Auszuweichen. Schimpfen bringt ihm den Entscheid. Schuhe und Socken ausgezogen und in den Fahrradtaschen verstauet, er ist wild entschlossen nicht zurück zu fahren. Holt Anlauf und schrammt mit Tempo in die Brüh. Die Gischt zischt wild erst um die Füsse, dann um die Waden. Müller beginnt mit der Tretarbeit. Schnell schmerzen die Füsse die nackt auf das Eisen der Pedalen drücken. Der Widerstand am Fahrrad wird grösser, je tiefer der Grund des Radwegs liegt. Die Füsse schmerzen noch mehr. Müller lässt nicht locker, tritt die Pedalen und fixiert die Richtung wo der Weg (das Ziel) wieder aus der Sauce führt.

Das Fahrtempo nimmt wieder zu, der Widerstand lässt nach. Das Fahrrad rollt, aus Dem was mal Wasser war auf die trockene Radlerpiste. Müller hast es geschafft, oder auch nicht. Zieht sich die Socken samt Schuhen über die gequälten Füsse, schwing sich in den Brooks und fährt los. Der Weg verschwindet nach ein paar hundert Metern erneut, diesmal in einem Wäldchen das gleich neben der Elbe liegt. Der Belag des Weges ist mit nassem Schlick bepflastert. Jede Kurve ein Risiko, nur keinen Sturz. Wieder eine Pfütze, die ist nicht tief. Immer häufiger sind Spuren von andern Radfahrer auf dem Belag erkennbar. Wie alt die sind, nicht einschätzbar. Müller überlegt: „Sobald jemand entgegen kommt, ist das ein gutes Zeichen, dass ab da keine ernsthaften Hindernisse sich in seinen Weg mehr stellen würden.

Es dauert nicht lange der erste Radfahrer. Der fährt mit einem Gesicht als ob er gleich einer Fatamorgana begegnen werde auf Müller zu. Der hält an, grüsst sein Gegenüber und traut seinen Ohren nicht. Die ganze Gegend, Überschwemmungsgebiet, sei für Radfahrer verboten zu befahrbar. Er wolle sich nur ein Bild machen ob es auch wirkliche so schlimm sei, dass die Polizei ein grosse Fahrverbotstafel habe aufstellen müssen! Müller schimpft leise: „Verdammt, wenn ich den erwischen könnt.“ Der Wortschwall ist dem Unbekannten gewidmet, der bei der vor über 15 Kilometern  passierten Weggabel, wie Müller in zügiger Fahrt aus dem Augenwinkel gesehen, die grosse Fahrverbotstafel neben den Radweg gestellt hat.

Nicht alle Hindernissen sind beschimpfbar. Einige bringen willkommene Abwechslung in den Radler-Tag.

Treppen aus Stahl, hoch zur und wieder runter von der Brücke mit den Erdgasrohren, die über die Moldau führt, sind ein Glücksfall, fordern dafür einen physischen als auch einen logistischen Kraftakt.

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Scherengitter über die Hauptstrasse warum auch immer, ermöglichen eine willkommene Verschnaufpause.

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Wasser, ein tückische Barriere und nicht jeder kann mit einem Boot auftrumpfen um dem Hindernis ein Schnippchen zu schlagen. Wie sollte der Müller auch sein Fahrrad aufs Kanu binden?

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Hindernisse gibt es nicht bloss in Form von Hochwasser.  Pflastersteinstrassen in Kleinstädten verlangsamen das Fortkommen enorm, zwingen jedoch nie zur Umkehr. Unbefestigte oder wassergefüllte Karrweg fordernd heraus. Enden solche Weg am Horizonte, kann schon mal der Eventual-Rückzug eingeplant werden.

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Wie viel darf ein Fahrradsattel kosten?

Für Euch und nur für Euch eines der müllerschen Erlebnisse um Fahrradsättel. Auch als nicht Betroffener, nur Beteiligter bleibt ihm die Geschichte sein Leben lang in Erinnerung.

Mit den Tourenrädern unterwegs bemerke ich wie die Fahrerin vor mir um einiges langsamer in die Pedale tritt. Mein Fragen nach dem Grunde wird nicht schlüssig, eher abweisend beantwortet. So rolle ich mein Fahrrad munter pedalend vor das der Fahrerin. Mein Windschatten scheint die Stimmung der Begleitung nicht heben zu können. Im Gegenteil, immer wieder muss ich meine Fahrt verlangsamen um die Fahrerin an mein Hinterrad aufschliessen zu lassen.

Abends im Zelt, kein Witz, wir übernachten auf einem Campingplatz Nahe Regensburg, wird das Übel von meiner Mitreisenden preisgegeben. Mir stockt bei dessen Anblick der Atem. Vorbei die Reise, ab zum nächsten Bahnhof, Fahrkarten kaufen, so mein Gedanke. Welcher ich auch aussprach, nachdem die Hose der Fahrerin wieder hochgezogen war. Kein Problem meint Sie, etwas Salbe, das heilt schon wieder zu.

Anderntags wird nach wenigen hundert Metern klar, dass die Salbe noch gar keine Wirkung entfaltet hat. Die etwa sechs Zentimeter lange und einen Zentimeter breite Blase entlang der Sitzfläche hat Bestand und muss fürchterliche Schmerzen verursachen.

Meine Gedanken kreisen. Klar, ist schnell was die Ursache für das Übel ist. Der Fahrradsattel, er hat Schuld! Warum? Ein Herrensattel hat nichts an der Anatomie einer Dame zu suchen. Zwar fuhren wir das geliehene Fahrrad mehrere Tage zuhause ohne Probleme. Jedoch trug die Testperson eine andere Radhose als in den letzten Tagen. Diese Kombination, Herrensattel mit anderer Radhose  und viel Reibung verursachte die Riesenblase. Lösung, andere Radhose und NEUER VELO-SATTEL.

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In der nächsten Stadt finden wir ein Radsportgeschäft. Vor dessen Eingangstür werken diverse Leute an defekten Tourenräder. Wir verziehen uns, mit unserem doch sehr intimen Problem im Geschäft in die Ecke mit den Fahrradsätteln. Nun beginnt die Qual der Wahl. Eines ist klar, der Sattel muss genügend kurz und breit sein. Die restliche Beschaffenheit egal, Kosten Wurscht.

Meine Mitfahrerin hält entschlossen ihren neuen Untersatz in der Hand und schreitet zur Kasse. „Moment“, rufe ich, „passt der Sattel auf die Stütze.“ „Montieren sie ihn. Sie können anschliessend bezahlen.“ Draussen vor der Tür geselle ich mich zu den anderen Hobbyfahrradmechaniker. Neben mir versuchen zwei Mädel zum Wechsel eines Tretlagers einen Mechaniker zu bezirzen. Der bleibt hart und gibt nur Tips. Das Werkzeug können wir gratis nutzen. Bezahlt wird bloss das Material. Nach einigem Gefummel ist der Herren- gegen den Damensattel getauscht. An der Kasse trifft mich der sprichwörtliche Schlag, wie mir die Kassiererin den Preis des neuen Sattels sag: „Macht neunfünfundneunzig.“ Ich muss sie entgeistert anschauen: „neunfünfundneunzig“, wiederholt sie, „in Deutschmark,“ fügt sie lächelnd hinzu.

Wir haben die Tour entlang der Flüsse Donau und Inn nach weiteren zehn Tagen in Schuls in der Schweiz beendet. Der Sattel tut heute noch seinen Dienst, auf dem neuen Tourenrad der mir inzwischen sehr nahestehenden Radfahrerin.

Radtour 2013: „Eindrücke aus Havelberg“

Manchmal sprechen Bilder die besseren Worte.

In diesem Falle aus Havelberg mit meiner Handy-Cam aufgenommen.

Havelberg an der Havel
Havelberg an der Havel
im Hafen an der Havel
im Hafen an der Havel
bedeutet?
bedeutet?
Idylle im und auf dem Wasser
Idylle im und auf dem Wasser

Radtour 2013: „etwas fehlt“

Noch rasch ein Foto vom Torbogen der den Zugang zur Stadt überspannt. Es ist kalt, der Himmel bedeckt und Müller hungrig. Hier findet sich bestimmt eine warme Mahlzeit. L1070589-kopieMit Schwung lässt er das Fahrrad auf das Kopfsteinpflaster rollen, lenkt dies den Gehsteig der Hauptstrasse entlang.

Erst will er es gar nicht hören, doch das hässliche Kratzgeräusch wird von Müllers Fahrrad erzeugt. Das ändert auch nicht wie der vom Rad steigt, sich sein Vehikel gründlich anschaut, nichts findet und weiterfährt. Das Geräusch ist da, noch lauter als zuvor. Die Radtaschen werden vom Gepäckträger genommen. Jetzt wird klar wie die hässliche Musik entsteht. Dem Träger fehlt auf der Rechten Seite eine Schraube. So hängt der schief am Rad, dass das Schutzblech weggedrückt, den hinteren Pneu streift.

Müller vertieft sich in seinen bebilderten Streckenführer, findet einen Hinweis um in der Stadt einen Fahrradmechaniker um Hilfe bitten zu können. Hätte bei seinen Vorbereitungen der Müller mit aus den Gewinden gerissenen Schrauben gerechnet währen auch solche in seinem Reparaturzeug mit dabei.

Die rettende Werkstatt ist schnell gefunden. Leider geschlossen, bis 13:30 Uhr.

vor der Werkstatt
vor der Werkstatt

Der Appetit inzwischen verschwunden, setzt sich der verhinderte Strampler auf die Steinstufen vor verschlossener Tür. Als im zu kalt geworden läuft Müller ein paar Schritte die Strasse rauf und wieder runter, immer wieder auf seine Uhr schauend. Es dauert bis sich die Tür der Werkstatt öffnen wird. So studiert er die anderen Türen des Hauses, vor dem sein Fahrrad mit dem Gepäckträger dem bloss eine Verbindungsschraube fehlt, an der Hauswand lehnt. Interessant ist die Tür zur Zahnarztpraxis, an welcher ein Schild mit dem gleichen Namen wie an der Tür der Werkstatt angebracht ist. Sollte etwa der Zahnarzt auch Fahrräder flicken?

Zahn oder Fahrrad Reparaturstellen?
Zahn oder Fahrrad Reparaturstellen?

Endlich öffnet sich die Tür. Müller kann zu frieden sein, drei Minuten vor 13:30 Uhr. Schnell erkennt der Mechaniker oder doch Zahnarzt, dass Problem mit der ausgerissenen Schraube. Flux das Fahrrad auf den Brooks gestellt, Hinterrad gelöst, Kette vom Zahnkranz genommen, Rad aus der Hintergabel gehoben und weggestellt. Mit Gewindeschneider das Gewinde in Ordnung gebracht und unter wachsamen Auge vom Müller die rechte Schraube  danach auch die Linke eingedreht. Die alte Schraube auf der linken Seite sass auch nicht mehr gut in den Gewindegängen. In der Zwischenzeit hatte der Mechaniker von Müllers Fahrradkette schwarze Hände. Stifte für Stiftzähne sollt er damit keine in einen Kiefer eindrehen.

Die Glocke über der Werkstatttür bimmelt ausgiebig als eine Frau mit ihrem Mann eintritt um das wieder fahrtüchtige Rad der Frau abzuholen. Nach der Probefahrt der Frau welche zur ihrer vollen Zufriedenheit ausfiel, wollen alle Anwesenden das Woher und Wohin von Müller kennen lernen. Der gibt gerne Eindrücke vom Erlebten preis. Vier Personen schwatzen so dahin und teilen sich mit. Plötzlich sagt der Mann dessen Frau nun wieder ein fahrtüchtiges Rad vor der Werkstatt stehen hat: „Frau, du kommst zu spät zum Termin!“ „Den habe ich völlig vergessen,“ erwidert die Frau, dreht sich zum Mann mit den schwarzen Händen und verabschiedet sich bei dem mit den Worten: „Danke für die Reparatur mein Mann bezahlt, ich muss los. Grüssen sie Frau Doktor von mir.“ Die Glocke bimmelt, weg ist sie. Die beiden Männer unterhalten sich weiter derweil Müller vor der Werkstatt die Reisetaschen an sein repariertes Fahrrad hängt und nun weiss dass die schwarzen Hände keinem Zahnarzt gehören.

Gekostet hat die Reparatur 3 Euro und zum Mittagessen steckt sich Müller, Stück für Stück einen Power-Bar in den Mund. Etwas Wasser dazu, fertig die Sportlermahlzeit.

sollten nicht fehlen
sollten nicht fehlen

Nun weiss der Müller was er vor der nächsten Tour auch einpacken sollte: Verbindungselemente wie Schrauben und Muttern, dazu ein Stück Eisendraht. Ausgelernt ist nie!