Knarzgeräusche

Es ist zum verzweifeln! Müllers Radtour startet bei schönstem Wetter. Perfekte Lufttemperatur, die Sonne am Himmel wird nur selten von einer Wolke verdeckt. Des Fahrradfahrers Herz schlägt höher den je. Wenn da nicht die Knarzgeräusche vom linken Schuh an Müllers Nerven zerren würden. Was soll es, die Ausfahrt hat gerade begonnen und umdrehen bei dem Wetter, kommt für den Geplagten nicht in Frage.
Nach der Rückkehr ist genug Zeit sich um das Schuhwerk zu kümmern. Zum Glück bläst ab und zu ein Gegenwind um Müllers Ohren. Dann ist das Geräusch nicht zu hören, bergauf dafür umso deutlicher, ob mit oder ohne Wind.

Nach 72km wieder zurück am Reisemobil staunt Müller nicht schlecht. An beiden Schuhen löst sich das Gummiprofil. Am rechten Schuh ist die Sohle gar eingerissen.

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Was tun? Müller fährt erst in zwei Tagen nach Hause. Sich aber vor allem seiner Frau kann er die Knorzerei bei einer nächsten Ausfahrt nicht zumuten. Mal kurz nachdenken was Abhilfe schaffen kann. Darauf die Idee: Fett!
Schuhfett genauer, davon führt Müller eine ganze Dose mit um seine Wanderschuhe zu pflegen. Von diesem Fett streicht Müller eine grosse Portion in die Ritzen zwischen Schuh und sich lösende Sohle.

Somit sollten die zwei kommenden Touren doch noch in erträglicher Geräuschkulisse über die Bühne gehen. Mal sehen, besser gesagt: hören.

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Ausflug

Der ist mehr ein Rollen den ein Ausfliegen. Geflogen wird zwar auch, doch davon später.

Müllers, wiedermal im schwarzen Wald unterwegs, nehmen sich vor, die Spitze des Schwarzwald-Feldberges rollend zu erklimmen. Denn die Fahrräder sind immer schnell aus dem Reisemobil-Keller zur Hand. Noch die Antriebsketten nachgeschmiert, kann die Aktion noch vor dem Mittag gestartet werden. Nach wenigen hundert Meter überkommt den Müller eine unbändige Lust. Drum wird beim Dorf-Café der erste Einkehr-Schwung getätigt und wieder vom Rad gestiegen. Ein Espresso muss es sein.

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Weil Müllers Räder nicht bellen (sieh Bild), stehen die artig im dafür vorgesehenen Eisengebilde und warten auf die Weiterfahrt. Kaum ist die gestartet, bemerkt der Tourenführer den leeren Flaschenhalter an seinem Fahrrad. Ein  Grund im Weiler Aha nochmals abzuschwingen. Der Verkäufer im Kiosk ist kurz angebunden. Nur zu einem kurzen Wortwechsel bereit. Er macht sich Sorgen um sein Geschäft. Schaut immer wieder zum bedeckten Himmel. Bestimmt werden heute nur wenige Radler auf der nahen Strasse vorbeirollen. Müller grüsst und geht, über die Wetterlage mag er auch nicht reden. Die PET-Flasche im Halter fixiert. Los geht es zum ersten Aussichtspunkt.

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Die Forstweg steigen meist an. Der Hügel Feldberg soll doch tatsächlich über 1400 Meter über Meeresspiegel hoch sein. So müssen rund 400 Höhenmeter rauf geradelt werden. Einmal können Müllers das Strampeln lassen weil es wieder ordentlich runtergeht. Doch, die Höhenmeter müssen nach der fetzigen Talfahrt wieder zurück erobert werden. Auf der Passhöhe ein seltsames Stahlgerüst.

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Die Bautafel schafft Klarheit: Hier wird ein Parkhaus gebaut. Für nicht weniger als 1000 PkW der Wintertouristen, die sich in Bälde hier oben wieder im Schnee tummeln sollen.

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Dieser Hydrant wird von Müllers nicht beansprucht. Das Wasser aus der kleinen PET-Flasche reicht. Die Sonne steckt hinter den Wolken fest. Der Wind bläst eiskalte Luft von Westen heran und damit von der Seite. Böig dazu und in der Stärke eines mittleren Sturmes.

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Das Ziel vor Augen strampelt es sich leichter. Wenn sich einem zusätzlich der Berg mit 12 und mehr Steigungsprozenten entgegen stellt wird es jedoch ungemütlich. So wird Müllers Lebensbegleitung, zweimal durch einer Windböe von der steilen Strasse gefegt (geflogen) und kann darauf die Steigung bloss noch zu Fuss bewältigen. Nur Fliegen ist schöner.

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Oben auf dem Feldberg brauchen die Müllers keine drei Minuten um in Vollmontur nach dem Zwiebelprinzip alle vorhandenen Kleidungsstücke überzuziehen und sich  darauf in die Abfahrt zu stürzen. Der Herzschlag ist fast gleich hoch wie bei der Bergfahrt. Die Schräglage gegen den Wind, um nicht vom Rad geblasen zu werden, erstaunt viele wandernde Zuschauer welche uns verblüfft nachschauen. Von der Passhöhe hat noch einer mit offenem Mund und in 3D-Optik, der rasenden Abfahrt zugeschaut

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Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Abfahrt mit manchem Zwischenhalt. Die Heidelbeerstauden müssen von ihrer Last befreit werden. Die Müllers kommen mit stark gebläuten Zähnen an ihren Ausgangsort zurück.
Was die Bedienung im Café zur Frage veranlasste: „Noch etwas Blaubeerkuchen gefällig?“

sicher,

auch ein Notiznagel hat Verwandte.

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Ihr nagelistisches Fassungsvermögen für Notizpapier hat zwar Grenzen, hält keinem Vergleich mit einem Notiznagel stand. Doch die Fähigkeiten der Reissnägel sollte nicht unterschätzt werden. Für einen Plattfuss am Fahrrad reicht ihre Länge allemal!

zwei Blicke ……

einer von unten nach oben

Blick zum Monte Isola
Blick zum Monte Isola

einer von oben nach unten

Blick auf Sulzano
Blick auf Sulzano

Bemerkung: Die Müllers fuhren die 350 Höhenmeter mit ihren Fahrräder (ohne Elektroantrieb) nach oben und mit Vergnügen auch wieder runter.

viel Ehre

Auf die Plätze fertig, los!

Er tritt in die Pedalen. Vor dem Haus in dem er wohnt, fällt die Strasse leicht ab. Schnell nimmt das Fahrrad auf dem er sitzt Fahrt auf. Wie er wieder von der Strasse auf und nach vorne schaut, sieht er wie alle seine Konkurrenten durch die Rechtskurve verschwinden. Nach wenigen Augenblicken ist auch KleinMüller an dem Ort wo die anderen rum geschrammt sind. Er legt sein Fahrrad in die Kurve und kommt in einem Zug ohne zu bremsen rum.

Die Strasse fällt nun steiler ab, die Fahrt wird schneller. Das STOP-Signal neben der Einfahrt in die Hauptstrasse kommt rasend schnell näher. Ein Blick nach links, kein Auto in Sicht! Wieder ohne zu bremsen durch die Kurve. Auf der Geraden das Fahrrad aufrichten und strampeln, strampeln was die Beine hergeben. Die Mitstreiter, alle um Köpfe grösser als KleinMüller pedalieren schon auf der Höhe der neuen Kirche, werden im Nu die Rechtskurve beim Schulhaus erreichen und sind damit wieder ausser Sichtweite. Sie sind alle nicht nur grösser, auch viel stärker und damit die klaren Favoriten auf den Sieg, in dem kurzfristig, vor dem Mittag einberufenen Radrennen.

Wie KleinMüller um die Schulhauskurve zieht, sieht er am Ende der sich ihm in den Weg stellenden Steigung die letzten beiden Grossen am Horizont verschwinden. Er drückt den Hebel der Armatur für die Dreigangschaltung nach unten, hebt seinen Hintern aus dem  Sattel und schwingt im Wiegetritt auf seinem Rad den steilen Hügel hoch. Oben angekommen, fährt er wiederum alleine bis zum Haus wo er wohnt. Jetzt sind alle verschwunden. 12 Runden sind ausgemacht, es beginnt KleinMüllers Zweite. Der Durst wird grösser. Drum hält KleinMüller bei der Alten Kapelle. Vor der steht ein Brunnen. Da gibt es köstlich frisches Wasser zu trinken. Wie er sich zum Wasserspeier vorbeugt, künden seine Konkurrenten im Vorbeisausen die erste Überrundung an. Schnell steigt er wieder auf sein Fahrrad um den Grossen nach zu kommen welche bereits wieder um die Schulhauskurve biegen. Dieses Mal bleibt KleinMüller im Sattel sitzen um im kleinsten Gang seiner Kettenschaltung den Hügel zu erklimmen.

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Natürlich hat er auch dieses Mal das nachsehen. Alle sind schon wieder weggefahren. So geht das Runde für Runde. Keiner der Mitstreiter kommt mehr in Sicht. Mit hochrotem Kopf und keuchendem Atem kämpft sich KleinMüller weiter. Weiter bis er erstarrt von dem was er am Strassenrand zu sehen bekommt. Seine rasende Fahrt ausrollen lässt und schliesslich beide Bremshebel bis an die Handgriffe zieht, die Füsse auf den Boden stellt und nach Atem ringt.

Vor ihm stehen die Fahrräder seiner Konkurrenten. Die biegen sich vor lachen und halten ihre Bäuche wie sie aus der Deckung des nahen Gebüsches kommen.

„Das waren aber viel Ehrenrunden!“, ihr spöttischer Kommentar.

„In San Pellegrino …..

…… gibt es bloss Wasser!“ ruft Frau Müller, wie deren Mann den FRIDOLIN zur berühmten Therme hinsteuert.

Tatsächlich lässt sich im Städtchen nicht so schnell ein Parkplatz für das Reisemobil FRIDOLIN auftreiben. So werden mehrere Zusatzrunden gefahren. Leider ohne Erfolg. Die Suche wird gar peinlich wie Müller auf die viel zu kleine Einfahrt eines Parkhauses zu steuert. Genau dieses Manöver aber bringt den gewünschten Erfolg.

Neben der Einfahrt zum Parkhaus nur für PkW steht auf einem gekiesten Platz ein Bus eines örtlichen Personentransportunternehmens. An die andere Seite des Platzes geparkt, zieht Müller den Zündschlüssel aus dem Schloss, steigt aus um den Fahrer des Bus nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Der überlegt nicht lange an seiner Antwort und lädt Müllers ein stehen zu bleiben, was beide gerne annehmen.

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Nach einem Imbiss werden die Fahrräder auf das zum Radweg umfunktionierten Bahntrasse gestellt. Dies verläuft unmittelbar vor dem Busparkplatz. Den Berg hoch zu fahren ist ein Kinderspiel. Die zwei Promille Steigung machen keine Mühe. Nur in den Tunnel die kunstvoll beleuchtet sind, ist es durch die kalte Zugluft etwas ungemütlich. Der Rückweg wird im Eilzugstempo angegangen da am  Himmel Gewitterwolken aufzieht. Ein feines Eis in der nahen Celateria mit einer Riesenauswahl aber gibt es trotzdem.

Wie Müller die Fahrräder im Reisemobil verstaut, entdeckt er den Wegweiser zum Radweg welcher nach 22 km das Tal hinunter in Bergamo endet. Zeit für diesen Streckenteil aber steht morgen nicht zur Verfügung. Mit dem Busfahrer ist bloss eine einzige Übernachtung ausgemacht. So starten die Müllers am anderen Morgen schweren Herzens FRIDOLIN’s Motor um auch ja keinen schlechten Eindruck beim Buspersonal zu hinterlassen.