Blende 8; 1/125;

Die magische Zahlenkombination murmelte Vater oft, an das kann sich Müller gut erinnern. Sobald dieser die Fotokamera in den Händen hielt schien er in eine andere Welt entrückt.

Noch heute spötteln die Söhne und deren Mutter wie lange es dauerte bis die passende Bildkomposition gefunden und dies nicht der Schluss der Vorbereitungen zum Druck auf den Auslöser war. Das Komponieren des Bildes war erst der Anfang. Die richtige Verschlusszeit und die passende Blende wollten auch noch festgelegt sein. Dazu führte Papa Müller einen Belichtungsmesser mit, den er aufs Genaueste abzulesen pflegte. Meist kam dabei „Blende  8; 1/125“ heraus. So brauchte es mehrere Minuten der Geduld von denen die aufs Zelluloid gebannt werden sollten. Bis doch noch der mechanische Verschluss geöffnet und das Licht zur lichtempfindlichen Film-Oberfläche durchgelassen wurde.

IMG_0010-kopie

Heute können sich immer weniger Leute erinnern wie jedes Foto erster verdient werden musste. Sei es durch langweiliges stillstehen der Statisten, heraustüfteln der besten Komposition durch den Fotografen und entwickeln des Filmes samt dem Erstellen der Bildabzüge vom Laboranten.

Der inzwischen 88-jährigen Papa Müller fotografieret inzwischen mit seiner Digital-Kamera so schnell, dass niemand mehr dazu kommt spöttelnd über den Fotokünstler herzufallen. Von der alten Fototechnik hat dieser sich verabschiedet. Jedenfalls murmelt er die magischen Zahlen nicht mehr.

Blende 8; 1/125 Verschlusszeit ade.

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4 Gedanken zu “Blende 8; 1/125;

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