Unterhaltung zum Nulltarif

Seit Abfallgebühren erhoben werden, trennt der Müller seinen Müll. Vieles was da anfällt darf unentgeltlich im sogenannten Ökihof abgegeben werden.

Das Reisli dorthin lohnt, weil der Unterhaltungswert vor Ort ist riesig. Es beginnt am Eingang zur engen Entsorgungsstrasse. Die Autoschlange windet sich um und entlang von farbigen Pylonen. Die Autofahrer als auch die eventuellen Begleiter sitzen mit steinernerem Gesichtsausdruck in ihren Sitzen und schauen dem Treiben um sich herum zu. Ein nicht sofortiges Nachrücken an die Stossstange des Vordermann wird vom ein Auto weiter hinten Sitzenden, gnadenlos erst mit seitwärtiger Kopfbewegung später mit kurzen Druck auf die Hupe quittiert. Ein aus dem Parkplatz für Sperrmüll in die Schlange rückkehrend wollender Fahrer muss, trotz hoffnungsvoll freundlich lächelnder Mine, auf die Toleranz des mit anstehenden Wartenden hoffen, um Raum für das Einspurmanöver in die Schlange zu bekommen. Reisverschluss wie im Strassenverkehr bleibt was für die Toleranten.

Hat der Rückkehrer das Manöver glücklich abgeschlossen, kann er, wenn mutig genug beim ersten Container anhalten. Den Motor abstellen, aussteigen, um den Wagen herum zum Einwurfschlitz gehen. Da seine Karton-Sammlung in den Schlund werfen. Hupkonzert nicht ausgeschlossen.

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Zurück auf dem Fahrersitz erst den Schlüssel im Zündschloss drehen, wenn weiter vorne ein Parkplatz freigeworden ist. Sonst kann es vorkommen, dass das Ende des Ökihofes erreicht und kein Platz zum Einparkieren frei ist. Alle Autoabstellplätze besetzt, warten, derweil sich links und rechts Fussgänger mit Tüten, prallen blauen IKEA-Säcken oder anderen Behältnissen vorbeidrücken. Unerträglich für wartende Gemüter die Kratzer an Fahrzeug-Karosserien nicht mögen.

Fahrt fortsetzen da Parkplatz freigeworden, einparken, aussteigen. Kofferraumdeckel hoch. Erster Gang, Altpapier abgeben. Am Container steht ein Mann, braungebrannt, im Turnleibchen und lässt seine Muckis spielen. Das Papier muss jeder selber in den Behälter werfen, da der Mucki-man gerne einen Schwatz hält und somit Wichtigeres zu tun hat.

Bei der Glassammlung wird es richtig laut.  Männer stehen mit glücklichem Gesicht vor dem Einwurfloch, schmettern die Gläser in den dunklen Schlund und hören dem berstenden Glas zu. Müller ist da keine Ausnahme. Das klirrende Geräusch entgeht der Person, welche sich, so glaubt man auf den ersten Blick, verirrt haben muss und an Stelle des Schiessstandes im Ökihof gelandet ist. Die Idee sich mit auf die Ohren gesetzten Gehörschutz-Muscheln in die „Wurfecke“ zu begeben, entlockt den Beobachtenden ein Lächeln.

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Bei den Metalldosen, man glaubt es kaum, ist es viel ruhiger. Schnell geht es auch noch. Es wird nicht zwischen ALU oder Eisen unterschieden. Sortiert wird später mit Maschinen und Magneten.

Weiter geht es. Plastik, nicht PET, wird auf ein Förderband gelegt. Daneben steht zur Aufsicht ein Mann in einem Overall, die Handschuhe über seine Hände gezogen und das mit gutem Grund. Nur zu oft versuchen Entsorgende noch anderen Müll über das Band verschwinden zu lassen. Dem Mann im Overall entgeht nichts, er kennt alle Tricks um solcherlei Schandtaten. Fischt mit schneller behandschuhter Hand den Nicht-Plastik-Gegenstand heraus und drückt diesen mit missfallender Mine dem Überbringer in die Hand. Handelt es sich dabei um Milchtüten ist derjenige schnell mit ein paar Spritzer Milchsäure in Berührung gekommen und riecht ziemlich grüselig.

Zwischen den Sammelstellen ein Gewimmel wie auf einem Ameisenhaufen von Gross und Klein, Alt oder Jung, Frau und Mann. Viel kennen sich. Einige finden Zeit für ein paar Wort, anderen genügt ein kurzes Winken mit einer Freien Hand. So ein Ökihof (flyer_oekihof)  ist nicht bloss ein Platz um seinen Unrat loszuwerden, er erfüllt auch den Anspruch eines Treffpunktes und Theaters.

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4 Antworten zu Unterhaltung zum Nulltarif

  1. Mathilda schreibt:

    Wird das bei euch nicht abgeholt??
    Plastik und Zeitungen werden bei uns von der Müllabfuhr entsorgt, nur Glas müssen wir selber entsorgen.

    LG Mathilda 😉

  2. Flohnmobil schreibt:

    Das war wohl eine kurze Vorschau auf das, was uns erwartet, wenn wir in gut einem Jahr unsere überkommunale Sammelstelle in Beschlag nehmen dürfen.

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